Alkoholfreies Brauen - neue Technologien und große Chancen

Die Geschmäcker ändern sich - ein neues Denken ist gefragt

DATUM 2019-10-09

Die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft Alkohol und Alkoholkonsum betrachtet, ist im Wandel - und zwar im großen Stil. Der Geschmack der Verbraucher und die weltweite Marktentwicklung sind fließender und weniger vorhersehbar als je zuvor.

Neue Generationen von Biertrinkern und neue Verbrauchergruppen werden oft auch gesundheitsorientierter, was zu wichtigen neuen Verbrauchernarrativen in vielen relativ wohlhabenden Gesellschaften und aufstrebenden sozialen Gruppen führt.

Infolgedessen vollzieht sich eine stetige, substanzielle und globale Entwicklung hin zu Bieren, die weniger oder gar keinen Alkohol enthalten. Einige Brauereiexperten gehen davon aus, dass bis 2020 bis zu 20% des gesamten verkauften Bieres in die sogenannte "gesunde" Kategorie fallen werden. Und "gesund" bedeutet hier "mit entferntem Alkoholgehalt".

Aber was ist mit dem ganzen überschüssigen Alkohol?

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Verwendung des Kondensats

Man kommt nicht umhin, dass das Brauen ein fermentatives Verfahren zur Herstellung von Ethanol ist. Die Entfernung von Alkohol aus dem Bier - normalerweise mit einer geeigneten Stripp- oder Filtrationstechnologie - führt immer zu einem Alkoholkonzentrat unterschiedlicher Stärke. Wenn man den Alkohol ausräumen will, muss es einen soliden Plan geben - wirtschaftlich tragfähig und umweltfreundlich -, wie man damit umgeht.

Im Allgemeinen gibt es drei Hauptansätze, um dieses Ethanolkondensat einer guten kommerziellen Nutzung zuzuführen.

1. Wertschöpfung

Ein Kondensat mit ca. 20-30 Vol.-% Alkohol kann als Bestandteil in einer Vielzahl moderner Hybridprodukte wie Fertigcocktails, aromatisierte Biergetränke und sogar Bierwodka verwendet werden. In dieser Art von Konfiguration spielt der bisher "überschüssige" Alkohol eine Schlüsselrolle bei der kundenorientierten Wertschöpfung, mit erheblichen Spielräumen für das Aromamanagement.

2. Vor-Ort-Kraftstoffquelle

Ein Kondensat mit einem Alkoholgehalt von über 60% ist ideal für den Einsatz als Brennstoff vor Ort zur Deckung eines Teils des Dampfbedarfs der Brauerei (typischerweise in einem Heizkraftwerk mit leistungsstarker Mischbrennstoffkesseltechnik). Dieser Ansatz trägt dazu bei, die direkten Betriebskosten einer Brauerei zu senken und die Umweltbilanz zu verbessern.

3. Kraftstoffprodukt außerhalb des Betriebsgeländes

Es ist auch möglich, das Kondensat auf eine Alkohol-Volumen-Spezifikation von über 90% zu reduzieren. Als Nebenprodukt der Entalkoholisierung ist dieses raffinierte Ethanol ideal für die Verwendung als Kraftstoff für entsprechend ausgestattete Verbrennungsfahrzeuge - obwohl dies nur in bestimmten Märkten realistisch ist.

Verlagerung der Schwerpunkte

Dies sind nur einige Beispiele dafür, wie traditionelle Brauprozesse und Fachkenntnisse, die sich stark auf die Herstellung guter Aromen und Geschmacksrichtungen konzentrieren, z.B. durch das erfahrene Management von Hefekulturen und Malzarten, es nicht leicht machen, neue Aspekte dieser wachsenden Nachfrage nach alkoholfreien Bieren zu berücksichtigen.

Die Anpassung von Geschmack, Aroma und Geschmack weiter stromabwärts - nachdem die Alkoholkomponente entfernt wurde - erfordert die Arbeit mit anderen Technologien und erfordert erhebliche Anpassungen und Überlegungen in der Art und Weise, wie wir in der Brauindustrie unsere handwerklichen, technologischen und marketingtechnischen Fähigkeiten einsetzen.

Angewandte Technologie

Hier bei Alfa Laval haben wir beispielsweise ein speziell entwickeltes All-in-One-Dealkoholisierungsmodul als innovative Kombination bewährter Technologien wie Bierentgasung, kulinarische Dampferzeugung, Vakuumstripping und Alkoholkondensation entwickelt. Diese arbeiten in Reihe als gut integriertes System, das auf dem Single-Pass-Säulenstripping bei niedrigen Temperaturen und Drücken basiert.

Dies macht es einfach, die alkoholfreie Brauerei einfach in eine bestehende Produktionsstätte zu integrieren, ohne große Investitionen tätigen zu müssen.

Das Unternehmen erforscht auch aktiv Möglichkeiten zur Maximierung alternativer Verwendungen von gestripptem Ethanol, z.B. als Schlüsselkomponente unter Verwendung von Mischtechnologien zur Herstellung komplementärer alkoholischer Produkte und als Brennstoffquelle in Kesselanlagen.